Der Flu3 Dobra - Antun Mateš: Der Verzauberte Angler

Der Flu3 Dobra - Teil der Äschen

Die gro3e 51 cm lange Äsche nimmt es gerade mit mir auf. In einer Hand habe ich den Fliegenstab, mit der anderen mache ich die Aufnahme des Kampfes. In der Hitze des Gefechts war es der Äsche noch gar nicht klar, da3 sie nach dem Kampf wieder frei und in der Dobra sein würde.

Wie gut haben nur die Kroaten dieses edle Gewässer erkannt, wenn sie es doch tatsächlich Dobra (die Gute, Anm. d.Übers.) nannten. Dieser herrliche Flu3 entspringt unterhalb von Skrad aus einer kleineren Quelle, für die auf der gegenüberliegenden Seite der Skrader Bach Curak mit seinem attraktiven Wasserfall, der sich in die Tiefen des berühmten Zeleni vir (Grüner Wirbel, Anm.d.Übers.) ergie3t, eine Konkurrenz darstellt. Es ist sicher, da3 beide Quellen eigentlich eine Gruppe von mit einander verbundenen Kesseln sind, die sich an ihren Quellen trennen, aber etwa 100 km weiter flu3abwärts- so lang ist die Dobra etwa- etwa bei Mahièno, flu3aufwärts von Karlovac, wieder vereinen. Beim Dorf Gornja Dobra an der alten Verkehrsverbindung Karlovac Rijeka -der Luisiana- flie3t der hier immer noch Wildbach Dobra mit dem anderen gleichnamigen Bach Bukovska Dobra zusammen, und nun ist dies bereits ein kleinerer Flu3, in dem Flu3forellen leben, der nun rauschend weiter nach Vrbovsko flie3t. Etrwas weiter südlich, unterhalb dieses schönen Ortes im Gebiet Gorski Kotar flie3t parallel zur Bahnlinie der attraktive Bach Kamaènik, ein beliebtes Ziel von Naturliebhabern und mündet da in dei Dobra. Gerade unterhalb des Zusammenflusses dieser Gewässer haben vor etwa fünfzig Jahren Dr. Pažur und Ing. Koliæ beim Wasserfall an der Dobra Äschen angesiedelt, indem sie mehrere Rogner aus der Kupa hier ansiedelten. Als das mehrjährige Fangverbot verstrichen war, war die Dobra voll schöner , gro3er Äschen. Die einheimischen Fischer, die bis dahin meist kleinere Forellen mit der Wasserkugel gefangen hatten, hatten keinerlei Aussicht auf den Fang einer raffinierten Äsche, und so angelten Pažur und ich jahrelang allein in diesem Äschenparadies.

Lovro will besser sein als dieses schöne Exemplar einer Äsche.

Ohne natürlichen Feind vermehrten sich die Äschen in der Dobra solide, mehr noch im Durchschnitt waren die gefangenen Fische 40-45 cm lang. Jede, auch die kleinste Tiefe oder Senke im Flu3 oder kleine Wirbel waren voll von gro3en schönen Exemplaren. Die Umgebung des Flusses begünstigte durch die bewachsenen Ufer die Sicherheit der Fische, denn die einheimischen Fischer konnten nicht mit Fliegenködern angeln, sie versuchten, meist im Zwielicht einige Stück mit der Wasserkugel zu fangen, wenn zahlreiche Forellen und die Äschen an der Oberfläche auf Trockenfliegen anbissen. Das ganze Äschenrevier unterhalb der Kamaènikmündung erstreckt sich bis Ogulin, aber der attraktivste Teil war einige Kilometer von der Brücke an der Cetinaquelle im Weiler Luke, wo der Zug nach Rijeka im Tunnel oberhalb der Brücke oft auch auf Bären traf. Natürlich bezahlte dies meist der Bär mit seinem Leben. Gemütlich zu Fu3 kam man im Schrittempo zur flu3aufwärts liegenden Brücke , wo man neben der Wiese , auf der der einzige dort beheimatete Einwohner-Trboviæ- seine paar Kühe hütete, da konnte man gut angeln, bis man zum Wehr und Mini-E-Werk einer ziemlich gro3en Mühle kam , die das Haus eines Mirko Frkoviæ mit Strom versorgten. Gerade oberhalb des Dammes war die Dobra tief, und hier befanden sich gro3e, bis zu 50 cm lange Äschen. Gerade diese urwaldartige Natur, wo an den Abhängen alte ganz moosbewachsene Buchen wegen ihres Alters oder Blitzschlages zusammenstürzten , war ein Angeln mit Fliegenköder nahezu unmöglich. Ich mu3te hier immer vorbeikommen, wenn ich zu meinen oberen Plätzen kommen wollte, wo man gut mit Fischköder angeln konnte, und im Vorbeigehen bewunderte ich immer und aufgeregt die gro3en Äschen, wie sie langsam durch das Wurzelwerk auf- und abschwammen, wobei sie die Puppen von Trichoptera vom Grund aufnahmen. Wegen der vielen Äste konnte ich die Angel nicht auswerfen , also kroch ich in das Geäst, um etwas zu ruhen und die gro3en Äschen zu beobachten. Nur so zur Probe schob den Stab durch die Äste und lie3 den Nymphenköder auf Grund sinken. Erst als ich ihn aufrollte, kam eine grö3ere Äsche blitzartig angeschossen und bi3 auf diesen Köder an. Der Fisch war am Haken, aber ich mu3te bis zur Hüfte ins Wasser, also weiter als in Stiefelhöhe, andere Möglichkeiten gab es nicht, wenn ich ihn an Land ziehen wollte. Wegen der Sommerhitze war dies eine sehr angenehme Abkühlung. Natürlich hatte ich kein Fangetz ,und ohne dieses kämpfte ich lange mit der Äsche, und als ich mich mit einer Hand an einem Zweig festhalten und mit der anderen den Fisch herausziehen wollte, sah ich mit Entsetzen etwa zehn Zentimeter entfernt von meiner Hand eine Viper.

Die gro3e 51 cm lange Äsche, die ich wieder ins Wasser lie3.

Ganz anders ist das Zusammentreffen mit der giftigsten europäischen Schlange ,der Viper (Vipera ammodytes). Ich wollte nicht wie jene vier vor mir in den letzten zwei Jahren am Bi3 einer Viper sterben, und so war ich gezwungen, entgegen meinen Prinzipien des Naturschutzes vorzugehen.

Was nun, fragte ich micht. Die Viper starrte mich an und züngelte , bereit mich in Selbstverteidigung zu bei3en. Ich hatte keine Wahl, mit der Machette zerschnitt ich die Viper mit der einen Hand , während ich mit der anderen noch immer die Äsche an der Angel hatte. Als ich nun, aufgeregt von meinem überraschenden Erfolg ziemlich heftig gegen einen grö3eren Ast einer gro3en Buche stie3, während ich aus dem Wasser watete, kam mir wie einst Archimed eine Idee, und fast hätte ich Heureka gerufen, denn hier im Dickicht war mir die Idee zu einer ganz neuen Art von Angeln gekommen, die ich Pritscheln nannte. Die Technik bestand in der Anwendung einer kurzen, flexiblen Rute, einer kleinen Rolle und einer dünnen 0,15 mm Nylonschnur, mit deren Hilfe ich einen beschwerten Nymphenköder sehr präzise und weit auswarf. Der gro3e Vorteil dieser Art des Angelns lag nicht nur darin, da3 ich die Angel beliebig im Dickicht auswerfen konnte, sondern auch darin, da3 bei dieser Art des Angelns Forellen oder Äschen nicht durch den Schatten und das Sinken der dicken Fliegenschnur abgeschreckt wurden. Dies war eine so wirksame Methode, da3 ich sie jahrelang vor anderen Anglern geheimhielt, damit die nicht alle Fische wegfangen. Als ich noch für meine bereits erwähnte Kolummne’ Gro3e und Kleine Fische’ in der SN-Revue arbeitete, beschrieb ich einen Kampf mit einer Äsche, der das ganze Raffinement des Angelns nach diesem schönen und interessanten Fisch deutlich macht.

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