Die Fischerbunde - Antun Mateš: Der Verzauberte Angler

Der kroatischer Verband der Sportfischer und Anglergesellschaften 1935-2005

Nach der Gründung des ersten Zagreber Anglerklubs im Jahre 1893, der im Jahr darauf, 1894, in Zagreber Anglergesellschaft umbenannt wurde, begannen im damaligen Kaiserreich auch die anderen Angler in grö3eren Städten nach dem Muster der Zagreber Gesellschaft ihre Anglergesellschaften zu gründen, denn die Zahl der Angler stieg stetig an, so da3 an den Wassern Ordnung herrschen mu3te. Es wurde eine Gesellschaft in Ogulin, in Brod, in Varaždin, in Sarajevo und in Mostar gegründet, und überall dort, wo es den Wunsch gab, Angelsport und Fischfang zu fördern. Natürlich brachte die Anzahl dieser Gesellschaften nach dem Ersten Weltkrieg im neuentstandenen Staat die Möglichkeit mit sich , alle diese Gesellschaften in einem Verband zu sammeln, damit diese nun synchron bei Fischzucht und Förderung des Fischereiwesens zusammenarbeiten könnten. So wurde am 22. August 1926 in Zagreb der Verband der Angelsportorganisationen des Königreiches SHS (der Serben, Kroaten und Slowenen, Vorläufer des späteren Königreiches Jugoslawien, Anm.d.Übers.) gegründet, in dem zunächst die Slowenischen Anglervereine aus Ljubljana, Celje und Maribor, sowie die aus Sarajevo, Osijek, Karlovac, Varaždin, Gospiæ, Èakovec, Brod an der Kupa, Ogulin und natürlich die einflu3reichste Zagreber Anglergesellschaft vertren waren, wie sich das für die fortschrittlichste Stadt und ihre Bürger auch gehörte. Die erste Sitzung eröffnete Dr. Walter Weber, indem er sich in gewählten Antrittsworten an die ermächtigten Delegierten wandte und sofort auf die Probleme zu sprechen kam: Die Vernachlässigung der Gewässer und der Fischzucht, der gieriege Raubbau am Fischbestand , die riesige Anzahl der Raubangler führte zum Niedergang der einst wunderbaren und reichen Gewässer, lie3 sie leer , wüst werden. Dieser so angesehene Angler, wie es Dr. Weber war, wurde auch gleich zum ersten Vorsitzenden des Verbandes der Aportanglergesellschaften des Königreiches SHS gewählt, und der erste Vizepräsident war Dr. August Munda aus Ljubljana. Zu Sicherheit wurde noch ein Vizpräsident gewählt, und zwar Dr. Branko Žegarac, der Polizeichef von Sarajevo, damit ganz klar war, wer hier die Macht hatte. Dr. Weber war somit ein doppelter Chef, sowohl der Zagreber Anglergesellschaft , als auch des neugebildeten Verbandes, und sein Ansehen wurde durch einen Teil seiner Ansprache noch mehr bestätigt, den ich gerne zitiere, und der zum allgemein gültigen Anglereid werden könnte: Beweisen wir durch unser persönliches Verhalten und unser gesellschaftliches Wirken, da3 wir Angler als Sportler, die in Gottes freier Natur, an der frischen Luft, frohen Herzens und in milden Gedanken mit der Angelrute in der Hand unseren edlen, gesunden Sport ausüben, bessere Menschen sind, die Sinn für das Höhere haben, für Besseres, als es sich Philistertum und Engherzigkeit der breiten und undisziplinierten Massen träumen lassen.

Webers Huchen, 1925 an der Dobra gefangen.

Natürlich wurde das Fischereigesetz im damaligen Königreich in den jeweiligen Banschaften unterschiedlich ausgelegt und angewandt, abhängig von der Lebensart, denn schon damals war der Unterschied im Lebensstandard zwischen der Drau-Banschaft , oder dem heutigen Slowenien, und der Vrbas-Banschaft, die ungefähr das heutige Bosnien umfa3t, gewaltig. Dennoch trug die nunmehr gesetzlich geregelte Fischerei zur Förderung in der Entwicklung von Laichplätzen bei, sowie zu Gestaltung und Formung der Flu3ufer, in einem gewissen Ma3e wurde das Fischereiwesen überhaupt gefördert, insbesondere der Angelsport. Laut Archivmaterial aus Anglerzeitschriften war das wichtigste Problem natürlich das Raubangeln, dabei führte die autochtone Balkanmethode, die -wie ich glaube- im übrigen, westlichen Europa unbekannt ist, das Fischen mit Dynamit, das vorwiegend in heimischen Gewässern zur Anwendung gelangte, zu den schwersten Schäden. Ach, dieser Alfred Nobel, hätte er nur geahnt, welchen Mi3brauch man mit seiner Erfindung bis hin zur Ausrottung von Fischen treiben würde, er hätte seiner Stiftung einen Nobelpreis für Umweltschutz zum Schutz der Gewässer und Fische wärmstens ans Herz gelegt. Zahlreiche Artikel und Fotos getöteter gro3er Fische, geschweige denn der kleinen, zeigen , da3 dieses Übel ungeahnte Ausma3e annahm, und da3 die Fische zu einer Art wurden, die man mit allem zur Verfügung stehenden Werkzeug jagte und tötete, so da3 es an ein Wunder grenzt, da3 sie überhaupt noch bestehen.

Dr. Walter Weber, Vorsitzender der Zagreber Anglergesellschaft und erster Vorsitzender des Verbandes der Anglergesellschaften des Königreiches SHS mit seinen zwei in der Dobra gefangenen Huchen. Wie es einem Herren und Sekretär des Schweizer Konsulats in Zagreb ziemt, ist der elegante Anzug gerade die richtige Kleidung für einen so seltenen Fang.

Gro3er mit Sprengstoff in der Laich getöteter Huchen, von der damaligen Steuerfahndungspolizei beim Versuch , ihn zu verkaufen, eingezogen und gepfändet.

Ertappte Dynamitfischer
Der Gendarmeriekommandant Martinoviæ ertappte am Flu3 Lašva Dynamitfischer, als sie ihr Dynamit in den Flu3 warfen. Gegen solche ist besonders energisch vorzugehen, und nach der Aufforderung der Gendarmeriepatrole , sich zu stellen und ihr “Anglerzeug” auszuhändigen, sprangen diese ins Wasser, und flüchteten über eine Furt zum anderen Ufer. Die Gendarmen waren nicht faul, auch sie sprangen ins Wasser und verhafteten diese Rohlinge, die vom Bezirkshauptmann in Travnik ihre verdiente Strafe bekamen. Ein anderer Artikel bringt den Titel Strafe für Dynamittötungen, in dem angeführt wird, da3 ein gewisser Vlado Laðeviæ und ein Ðuro Šurlan am Flu3 Una bei Dobljin zu einer Zahlung von 500 und 200 Dinar verurteilt wurden, jeder wegen Dynamitfischerei . In jeder Nummer der Anglerblätter gab es regelmä3ig Artikel über die zahlreichen Missetaten der Dynamitfischer an allen Flüssen von der Save bis hin zur Drina. Aber auch die Gauner waren schlau und gaben in nichts nach , so wurde angeführt, da3 der offizielle Flurwächter Risto Lubura verprügelt worden war. Das Ereignis erinnert an manche Kapitel aus den Abenteuererzählungen von Jack London über die ersten Goldgräber in Alaska. Um seine Verbraucher zu erfreuen, war der Wirt an der Quelle der Bosna gezwungen auf irgendeine Art zu Fisch zu kommen, falls ihm das beim Pächter der Fischteiches nicht gelang. Das nutzten unterschiedliche Schmuggler und Raubfischer, und sie schafften aus der weiteren Umgebung Fisch zum Verkauf an der Bosnaquelle heran. Der Flurwächter Risto Lubura wu3te von diesen Zulieferern, und er lauerte ihnen um drei Uhr in der Früh auf, als sie den Fisch mit dem Fuhrwerk heranschafften. Lubura überraschte sie und wollte die Fuhre untersuchen. Im Wagen waren neben dem Kutscher noch Marko Kegelj und Mirsad Laco aus Lepenica. Der Kutscher raste aber los, anstatt zu halten, worauf Lubura seine Dienstwaffe zog und gegen die oben genannten richtete.Aber einer von ihnen ergriff seinen Revolver und zielte auf Lubura. Laut Luburas Aussage hatte der Revolver eine Ladehemmung, aber sie griffen Lubura dennoch heftig an, entrissen ihm die Waffe und begannen ihn mit dem Revolver am Kopf zu schlagen, und schlie3lich verletzten sie ihn auch. Angeblich ist es sehr fraglich, ob Lubura mit dem Leben davongekommen wäre, wenn es keine Zeugen gegeben hätte.

Unter allen möglichen Mitteln zum Raubfang wie Netzfang, Vergiftung mit Bulumot nahmen Sprengstoffe den ersten Rang ein. Derart gro3e Huchen entgingen selten derartigen Massentötungen.

Um Gewässer und Fische besser schützen zu können, wurde unter diesen Umständen am 27. Januar 1935 , natürlich wieder in Zagreb, der Verband der Gesellschaften der Save-Banschaft gegründet , in dem die kroatischen Angler-und Fischergesellschaften vertreten waren. Augenscheinlich war diese schreckliche Raubfischerei der Hauptgrund dafür, da3 sich die kroatischen Gesellschaften noch intensiver zusammenschlossen und organisierten, um ihre Gewässer und Fische zu schützen.Die Rivalität zwischen älteren Mitgliedern, wie Dr. Weber, und den jüngeren Mitgliedern um Dr. Danda, auf die aus Mitschriften von Jahresversammlungen zu schlie3en ist, führte zu einer Trübung der Beziehungen zwischen den Gesellschaften, den Sieg trugen dennoch- wie dies meist so ist- die jüngeren davon. So sehen wir nach Dr. Danda auch die Vorsitzenden Dr. Antun Jakovac, den Sohn des Gründers der Zagreber Anglergesellschaft Antun Jakovac, dessen Sohn Zlatko Jakovac 1939 unterhalb der Savebrücke bei Podsused einen gro3en ,16 kg schweren Huchen gefangen hatte.

Die Dynastie Jakovac , deren jüngstes Mitglied Zlatko 1939 in einem Zagreber Vorort einen gro3en, 16 kg schweren Save-Huchen fing.

Ein wahres Heiligtum, das traditionelle Fischer-Gabelfrühstück. Alle Reiseautoren, wie Mršiæ, Peiæ, Klašterka, Thaller und die alten Angler Daut, Hrastinski, Raèiæ, Dr.Kopsa, Dr. Jakovac und auch ich nahmen regelmä3ig solche Gabelfrühstücksmaterialien zum Angeln mit. Jägerwurst hatte ihren Kultstatus, niemals später habe ich ,als das Nahrungsmittelangebot schon reichwar, einen derartigen Wohlgeschmack erlebt, wie ihn damals die billige Jägerwurst bot.

Und so sehen wir ab der Gründung und dem ersten Vorsitzenden Walter Weber erfolgreiche Vorsitzende und Sekretäre des Verbandes, die in Zagreb in der Palmotiæevastra3e 7 ihren Sitz hatten. Wenn ich irgendeine historische Angabe oder Information zum Anglerwesen brauchte, kam ich gern in den Verband , in sein enges Zimmer mit den zahlreichen Kisten voll Archivmaterial und den präparierten Fischen zu Besuch. Hier befand sich auch Jahre lang die Redaktion der Zeitschrift Športski ribolov (Sportangeln, Anm.d. Übers.), die neben ihrem Auf und manchmal Ab bezüglich der Gestaltung des Blattes bis heute die Tradition hochgehalten hat, wo es von einer professionellen Redaktion in bester Ausgabe gestaltet und marktgerecht geleitet wird. In meinem ersten Buch habe ich ausführlich über die Entstehung des Ribarski list geschrieben, das die Zagreber Anglergesellschaft und die Redakteure Gjuro Kaitner, Vlatko Bartuliæ und Zdravko Thaller anregten, letzterer eine Person, die gro3e Verdienste um die Entwicklung des Angelsportes erwarb und besonderes Talent für Publikation von Fischereiliteratur zeigte. Mit der Gründung des Verbandes wurde das Blatt Ribarski list zu dessen Organ, und so erbten die Angler aus ganz Kroatien ihr Blatt. Veljko Klašterka war mehrere Jahre hindurch Redakteur des Blattes konnte sich nach der Bedeutung und der Anzahl der von ihm verfa3ten Bücher und Artikel durchaus mit Thaller messen. Er brachte des besonders populäre Handbuch Ribarski kalendar heraus und verfa3te zahlreiche ausgezeichnete Bücher zum Thema Fischen und Angeln. Auch ist er Autor des Szenarios zum ausgezeichneten Schwarz - Wei3 - Film Geschichte der Huchen , der vom Flu3 Kupa berichtet. Aber das Redakteusschicksal so kreativer und guter Einzelner, wie es Thaller und Klašterka waren, rief bei den meisten Mitarbeitern und Kollegen zweifellos Neid und Mi3gunst hervor, dies wird beim Durchblättern der Artikel in den damaligen Anglerblättern deutlich, und so wurden beide abgesetzt, hinausgeworfen, wobei Thaller auch noch gerichtlich verfolgt wurde. Dennoch, ihr Werk blieb erhalten, und die Unglücksraben, die sie verfolgten, sind heute vergessen, wie dies meist so ist. Nach Klašterka war bis Kriegsbeginn der Schriftsteller Dragutin Horkiæ durchaus ein gewiefter Redakteur des Verbandsblattes Ribolov (Fischfang, Anm.d.Übers.) , und dies war leider der letzte Zeitraum, in dem die kroatischen Angler das Blatt vom Briefträger frei Haus zugestellt bekamen, denn Abonnement und Zustellung waren im jährlichen Mitgliedsbeitrag im Anglerverband beinhaltet. Neben Dragutin Horkiæ waren da noch Pažur, Glavaè, Majorinc, Canjuga, Ševèik, der Osijeker Richter Vladimir Zobundžija Mitglieder einer Redaktion, die diese letzte romantische Epoche des Anglerjournalismus kennzeichnete. Die letzte Nummer von Ribolov kam 1992 heraus, als der Krieg in Kroatien das gesamte Leben auf den Kopf stellte, und als viele Angler ihre Heimat an der Front verteidigten

Fliiegensammlung des Rikard Hafner aus Osijek, sie zog meine Aufmerksamkeit noch in den ersten Tagen des Forellenangelns an. Diese reiche Sammlung begann Hafner noch 1958.

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