Die Geschichte vom Spinner - Antun Mateš: Der Verzauberte Angler

Die Geschichte vom Spinner

Ein 100 cm langer und 10 kg schwerer mit Spinner Nr.3 gefangener Huchen.

Die Gummizöpfe waren herrliche Wobbler, aber teuer, und es bedeutete einen gro3en Zeitaufwand, sie herzustellen. Was für ein unangenehmes Gefühl, wenn man schon in der ersten Stunde beim Angeln drei Zöpfe verliert, den übriggebliebenen bewahrt und kalkulierend eigentlich gar nicht ernsthaft bei der Sache ist , weil man in der Furcht, auch den letzten noch einzubü3en, nicht mehr ernsthaft angelt. Daher ging ich zu einem einfacheren und wirksameren Köder über- die Köderfische im System an Stahldraht. Mit diesem System fing ich die meisten meiner Huchen, aber manchmal machte ich ganz gegenteilige Erfahrungen. Branko Orozoviæ, mein Freund aus Velika Gorica, und ich machten uns eines kalten Tages vor Weihnachten zur Una bei Jasenovac auf, wo wir am Odrakanal bei Buševac Hasel fangen wollten, erfolglos. Dort hatte ich sonst mit solcher Leichtigkeit mit Brotkrumen Hasel gefangen, da3 ich es mir leisten konnte sie nach der passenden Grö3e auszuwählen und den Rest zurückzuwerfen. Aber an dem betreffenden Tag war es so kalt, da3 sich die Fische verborgen hielten, wahrscheinlich auf bessere und wärmere Zeiten warteten. Es verging der ganze Vormittag mit diesem erfolglosen Angeln, und es gelang mir nur mühsam einen einzigen Hasel zu fangen, der augenscheinlich Selbstmord begehen wollte, wenn er gerade an dem Tag an meinem Köder anbi3. Was also war zu tun, fragte ich mich, entweder nach Hause gehen , oder den weiten Weg mit nur einem Hasel machen, was ein Luxus war, dem ich ganz und gar nicht geneigt war.

Die Spitze von Uštica an der Unamündung in die Save, heute ein beliebter Angelplatz der Fischer aus Požega und Westslawonien.

Und doch, der Gedanke an einen routinemä3igen Sonntagnachmittag mit Fernsehen gab den Ausschlag, und wir machten uns auf den Weg zur Una, wo Ende Dezember die beste Zeit für Huchenfang ist. Die schreckliche Kälte raubte mir die ganze Konzentration, und im Versuch , die Angel erstmalig in die tiefe, angeschwollene nun auch noch von der wasserreichen Save unterstützten Una auszuwerfen, verga3 ich wie ein blutiger Anfänger den Schnapper an der Rolle zu öffnen, und das Gewicht meines einzigen Hasels zerri3 bei diesem Auswerfen die Nylonschnur, worauf er mitten im Flu3 versank. Oh,was für ein Idiot beschimpfte ich mich selbst, da ich nun keinen Köder mehr hatte und nicht wu3te, was ich mit meiner Zeit anfangen sollte, auch hatte ich nicht das Herz, Branko, der gerade unter der Brücke weiter oben seinen Wobbler ausgeworfen hatte , sofort zur Heimkehr aufzufordern. So fand ich einen traurigen alten Blinker, band diesen fest, beschwerte ihn mit etwas Senkblei und warf ohne Hoffnung auf Erfolg aus. So wie ich an dem Tag drauf war, sank auch er gleich auf Grund, hing an alten Eichenpfählen unterhalb des mit Steinen aufgeschütteten Ufers. Ich wu3te zwar, wo er war, aber das ungewöhnlich tiefe Wasser täuschte mich. Du taugst nicht zum ernsthaften Angeln, sagte ich mir erneut resigniert und steifgefroren grub ich in meiner Tasche, ertastete etwas, was an einen Spinner erinnerte. Und tatsächlich, es war ein uralter Spinner Aglia Nummer drei, einst gelb, nun mit Patina mit diesem grünlichen samtigen Schimmer. Und nur um irgendetwas zu tun, warf ich diesen letzten mir verbliebenen bleibeschwerten Wobbler aus , der nun auch auf Grund stie3. Routinemä3ig zog ich ein, und eigentlich augenblicklich blieb er hängen. Also bitte, heute ist wirklich nicht mein Tag, Idioten sollten eigentlich Angeln verboten sein, dachte ich ernsthaft, und kaum merklich bewegte ich diesen Spinner, wobei ich das Gefühl hatte, ich sei an einem schweren Ast um Grund des Flusses hängengeblieben.. Nur da3 dieser schwere Ast irgendwie sonderbare Zeichen gab, und nun begriff ich, da3 das ein Fisch war. Aber welcher, vielleicht ein Rapfen, sicherlich würde kein Huchen bei einem Spinner Nr. 3 in zwanzig Meter Tiefe in trübem Wasser anbei3en. Aber genau das war es. Mit heftigem Erstaunen und noch grö3erer Begeisterung gelang es mir, einen gro3en Huchen an die Oberfläche der Una zu ziehen, und der Fisch schlug zornig mit dem Kopf nach links und rechts aus, um sich vom Angelhaken zu befreien, aber trotz meiner anfänglichen Fehler, war ich ja doch kein Fischer von gestern, und so zog ich den Huchen geschickt ans Ufer. Bravo, Meister! rief ich froh und laut für mich, während mich vom anderen, linken, kroatischen Ufer her ein angelnder Augenzeuge sah, der seinen Augen wie auch vorher nicht traute und dann nicht einmal fragte, was für einen Fisch ich gefangen hatte. Ich hob den Huchen stolz in die Höhe und zeigte diesen schönen, zehn Kilo schweren Fisch. Dieser uralte Spinner hatte ihn genau an der zahnigen Zunge erwischt, und so wartete ich auf Branko, dem ich ihn zeigen wollte, aber er glaubte mir nicht, er meinte vielmehr, ich hätte nachträglich, um die Unglaublichkeit der Geschichte zu unterstreichen, dem Huchen den Spinner ins Maul geschoben. Am Mittwoch darauf fuhren wir zur gleichen Zeit wieder an diesen Platz, und ohne uns überhaupt Zeit für den Fang von Haseln zu nehmen, fing ich mit dem selben alten Spinner einen fünf Kilo schweren Huchen, und die echte Reprise des Fangs vom vergangenen Sonntag erlebte ich am darauf folgenden Sonntag. Mit meinem Helfer, eigentlich dem Geräteträger, machte ich mich nach Uštica auf. Nachdem einige Zeit mit dem Angeln mit Köderfischen am System vergangen war, sagte ich meinen Kollegen, es sei nun genug, und ich hätte beschlossen, wieder einen gro3en Fisch zu fangen. Dies war nun meine Regie oder ein an eine Provokation grenzender Witz , jedenfalls befestigte ich wieder diesen Spinner und warf ihn dort aus, wo am vergangenen Sonntag der Huchen lag. Branko und der anderen waren schon bereit, auf meinen Scherz mit Boshaftigkeiten zu reagieren, und da schrie ich schon, da3 ich ihn habe, was die beiden, paff wie sie waren, nicht glauben wollten, bis sich mein starker Stab unter der Anstrengung ziemlich bog. Ich glaube, ich mu3 nicht erst sagen, da3 dieser Huchen genau 10 kg schwer und 100 cm lang war. Als Folge dieser unglaublichen Beutezüge haben die Huchen die Achse meiner Rolle verbogen, und so archivierte ich diese leicht-schwere Rolle mit automatischem Schnappverschlu3 Michell 330 sofort, sie ist heute noch die Zierde in meiner Rollensammlung.

Derselbe Fisch, aufgenommen nach der heimkehr nach Zagreb- spät am Abend in der Küche meiner Schwiegermutter. Da die Huchen Ende Dezember erst in der Dämmerung auf die Wobbler anbissen, konnte ich sie nur selten in ihrer natürlichen Umgebung aufnehmen.

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