Die Geschichte vom Zopf - Antun Mateš: Der Verzauberte Angler

Die Geschichte vom Zopf

Ein 114 cm langes und 14 kg schweres Exemplar aus der Dobra.

Als wir, die ganze Zagreber Gesellschaft , Pažur, Raèiæ, Glavaè, Jeren und die anderen , uns einmal nach Sanski Most aufmachten, fragte ich die dortigen Ortseinwohner sofort, wer der wichtigste Fischer im Ort sei, und man antwortete mir, dies sei ein Hamdija in Vrhpolje von der Mündung der Sanica in die Sana. Sofort , noch bevor ein unglaubliches Unwetter losbrach, ein wahrer Schneesturm, der den Himmel rasch verdunkelte und regelrecht auf den Flu3 niederprasselte , eilte ich an den Flu3. Natürlich sah ich ein, da3 ich keine Zeit hatte, Hamdija zu suchen, ich konnte den Weg zur Sanica-Mündung im dunklen, dämmrigen Schneesturm kaum finden, und gleich beim ersten Auswerfen des Zopfes fing ich einen ganz ordentlichen Huchen. Das orkanartige Pfeifen des Windes und die bange Frage, ob ich den Weg zurück zum Auto überhaupt finden würde, zwangen mich, sofort einen Unterstand zu suchen. Wie in einem dieser alten Filme geriet ich , während ich wie ein Blinder mit einem Stock nach meinem Weg tastete, zu einer Hütte oder einem kleinen Häuschen, dessen laues Licht kaum durch den orkanartigen Schneesturm drang. Das war das Haus jenes Hamdija, der mich durchgefrorenen bei sich im Haus aufnahm. Natürlich trank ich einen scharfen Schnaps, dann einen Kaffee, den seine Frau in einer dieser mit orientalischen Ornamenten ziselierten türkischen Kaffeemühlen aus Messing mahlte. Während ich das Abflauen des heftigen Windes abwartete, besichtigte ich interessiert dieses typisch bosnische Heim, wo man , wie in moslemischen Häusern üblich, auf dem Boden sa3. Sonst waren im Bosnien jener Zeit, wenigstens in den Gebieten, wo wir uns bewegten, Aufschriften mit Titos Namen aus entsprechend ausgelegten Steinen zu sehen, die die Jugendlichen unter der Führung eines örtlichen Parteigenossen auf jeder freien Wiese angebracht hatten, der durch solche Handlungen seine Liebe zum geliebten gro3en Führer, besagtem Tito, unter Beweis stellen wollte. Gerade der Weg von Bihaæ über Petrovac bis Kljuè war vollgespickt mit diesen Beweisen der Liebe zwischen Volk und Führer. Als ich mich nach dem Krieg bei meiner Rückkehr aus Dubrovnik eher aus einer Art Heimweh als aus Zeitgründen hier auf alte Wege wagte, kam ich bei der Fahrt von Drvar in Richtung Petrovac entlang den linken Abhängen zur Kreuzung mit der Landstra3e *14 zu einem Gasthaus, das aus billigen unverputzten Betonblöcken errichtet war, und hier prangte der Name der Absteige Djakarta in wei3en Kalkbuchstaben, daneben eine dichtgesetzte schön gewachsenene Fichtengruppe, schon etwas höher gewachsen, und diese Fichten stellten noch den geliebten Namen Tito dar. Natürlich war das Foto des geliebten Führers in jedem Raum wirklich jeden Büros, in jedem Wartesaal vom Ambulatorien, au3er in den Toiletten, das schlo3 auch die örtlichen Wirtshäuser in abgelegenen Dörfern ein, und so war es auch in den Privatzimmern meines Gastgebers, wo Fotos des geliebten Tito in einerm ungewöhnlichem , bis dahin noch nicht gesehenen Arrangement hing. Neben Tito war nämlich seine Genossin Jovanka mit hoher Dutt-Frisur, ähnlich der Pharaonin Nefretete, mit ihrem mildesten Lächeln, so da3 beide wie ein liebliches Paar wirkten - umgeben von Gartenrosen auf dem gemeinsamen Hochzeitsfoto.

Die Fischer aus Sanski Most mit ihrem traditionellen Fez, 1937 aufgenommen an der Mündung des kleinen Flusses Zdena in die Sana.Vater und Sohn Neziroviæ mit einem gro3en 15 kg schweren Huchen, der mit der beliebten bosnischen Rolle gefangen worden war. Rechts im modernen Crombi-Mantel der berühmte Huchenangler Sulejman Bišæeviæ-Memko.

Und so flaute während der Hausbesichtigung der Schneesturm ab, ich kehrte in das Hotel Sanus zurück und machte mich am nächsten Morgen wieder zu meinem neuen Freund Hamdija auf. Wir gingen gleich in der Nähe seines Hauses flu3abwärts zum Angeln. Er berichtete, es gäbe genug Fisch, da3 er täglich zum Angeln hier sei, natürlich gäbe es jeden Tag mehrere zig schwere Fische, wie man eben in Bosnien häufiger zu übertreiben beliebte. Er angelte mit einem sonderbaren Zopf aus Gummibändern aus Handschuhen von Tierärzten mit einem kleinen Angelhaken, mit dem ich nicht einmal einen Hasel zu fangen den Mut hätte, geschweige denn Huchen, von denen Hamdija berichtet hatte. Dieser wirklich gro3e Meister fing alsbald auch ein etwa 30 cm langes Huchenbaby, das einer Forelle ähnelte, und zu meinem Entsetzen steckte er es sofort in seinen Rucksack, wobei er meinte, er würde den ersten Fisch wegen des bösen Zaubers nie in den Flu3 zurückwerfen. Er warf auch den zweiten nicht zurück, auch nicht den dritten , vielleicht noch kleineren, und so bot ich- besorgt wegen des Jungfischbestandes im Flu3 Sana diesem Hamdija einen echten Zopf an, den Leo Wolf ausgearbeitet hatte, er nahm ihn nur ungern an, und so mu3te ich ihm noch eine 0,50 mm dicke Nylonschnur dazu geben. So angelten wir ein Zeit lang und kamen zu einer Kiesbank, wo ich mit meinem Zopf einen etwa 4 kg schweren Hecht fing, und etwas enttäuscht von diesem Fang verhielt ich, denn schlie3lich war ich ja nicht mehrere hundert Kilometer weit von gefahren, um dann Fische zu fangen, die es in jedem nahen Bach oder Zagreber stehendem Gewässer gab. Da sehe ich, da3 Hamdija den Hecht ganz gerne hätte, und so warf er , während ich vorsichtig meinen Zopf aus den scharfen Zähnen des Hechtes entfernte mein Zopfgeschenk gerade an jener Stelle aus, wo ich hätte meinen Zopf landen sollen, hätte ich nicht vorher schon diesen schrecklichen Hecht erangelt. Als mein Zopf an Hamdijas Haselrute im Wasser versank, wurde er von einem etwa 10 kg schweren Huchen geradezu aufgesaugt. So mu3te ich dem wichtigsten Fischer im Sanarevier dabei helfen, den gro3en Huchen an Land zu ziehen, den der nun fröhliche Hamdija mit leuchtendem Gesicht zwei Tage lang in der Umgebung von Sanski Most umherzeigte, wobei er dabei seinen Ruf als bester örtlicher Fischer durchaus unter Beweis stellte.

Wesentliche Wobbler als Grundausstattung für den Huchenfang: Heintz - Blinker, Effzet - Wobbler, Systemköder, Montagesyste, für Köder und Zopf.

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