Die Unahuchen - Antun Mateš: Der Verzauberte Angler

Die Unahuchen

Pešo Grgiæ mit einem Risenhuchen aus der Una

Huchenfang im Sommer im Unacanon.

Die Una können wir in drei Teile aufteilen, den oberen, der von der Quelle bis Ripaè reicht, den nittleren Teil bis zur Mündung der Sana in die Una bei Bosanski Novi und den dritten Teil von Novi bis Jasenovac. Das Wasser des Una-Flusses flie3t durch einige Depressionen, die anfänglich sicherlich Seen waren, welche das Wasser durchbrach und schlie3lich den Flu3 Una schuf. Die erste Senke befindet sich nahe dem Quellgebiet beim Dorf Donja Suvaja, und hierher gelangt man aus südwestlicher Richtung auf einer steilen, gewundenen Stra3e über die Abhänge des Èemernica-Massivs. In dieser Senke flie3en einige Bäche, wie Dabašnica, Lalinovac, Srebrnica und Sredica zusammen, vereinigen sich mit der kleinen Una, und so entsteht aus ihnen eigentlich der Flu3 Una. Hier endet die Suvaja-Senke, und es beginnt der Canon, in dem der Flu3 Krka in die Una mündet. Die folgende Senke ist die Depression Rmanjska bei der Mündung des Unac in Martin Brod, wo wir den ersten grö3eren Wasserfall haben, und weiter folgen die Senken von Vakuf, Bihaæ und Krupa. Bei Rudice oder Adrapovac enden die Senken des Kalksteintyps, und die Una wird zu einem Flachland- und Niederungsflu3 in der Pannonischen Tiefebene, die als trockener Grund des Tetis-Sees zurückblieb. Unterhalb Bihaæs, in der Nähe der Wasserfälle in Kostela und am Staudamm des örtlichen E-Werks beginnen die Fischfanggebiete, die wie es scheint, mit ihrer Schönheit und verlockenden Wirkung zum Huchenfang mit einander im Wettbewerb stehen. Ich mu3 gleich sagen, da3 ich den Huchenteil der Una nach eigener Erfahrung in drei Teile eingeteilt habe. Den ersten , den interessantesten, bildet das Gebiet unterhalb der Burg Ostrožac, wo die attraktive Una-Enge beginnt, die etwa bei Bosanska Krupa und Otoka endet, wo dann die Una was die Schönheit der Wasserfälle, Schnellen, tiefen Wirbel, alten Mühlen bis zur Mündung der Sana bei Bosanski Novi angeht, mit sich selbst wetteifert. Der zweite Teil erstreckt sich von Otoka bis zum Dorf Baèina bei Kostajnica. Huchen sind in den beiden ersten Teilen, wo sie auch gefangen werden, ständig vorhanden, im dritten Teil sind sie gewisserma3en nur auf Wanderschaft, sie kommen winters herunter. Der erste Teil, der Una-Canon gilt mit Recht als einer der attraktivsten Abschnitte der Una. Wasserfall an Wasserfall, Schnelle an Schnelle, Gestein, Engen, Geröll von den hohen Felswänden, und all das bietet den gro3en Fischen Schutz. Hier in der Nähe des Bahnhofs Grmuša lebte ein Fischer mit Namen Islam, der damals in den fernen Fünfzigern wie ein Wolgaschiffer die gro3en, 15-20 kg schweren Huchen dank den Äschen-Systemködern mit einem Knüppel gerazu an Land schleppte und diese dann in Formalinlösungen aufbewahrte. Er zeigte diese seine Fertigkeit den alten Zagreber Fischern, unter denen Friedrich Karafiat diesem Islam sofort die Vorzüge des dort unbekannten Zopfes vorführte, und schon beim ersten Auswerfen der Angel hatte er einen 20 kg schweren Huchen.

Der dicklich-rundliche Huchen, gefangen 1984 während der Neujahrsfeiertage im Dorf Tanac.

Zweifellos waren die fortdauernden, jahrhundertelangen kriegerischen Zusammenstö3e der drei Gruppierungen zum Teil auch Glaubenskriege. Als die Türken Bosnien unterwarfen, trat ein Teil der katholischen Christen, die sich Madjaren nannten wie auch teils die orthodoxen Vlachen zum Islam über. Die Kroaten hie3en wegen des Katholizismus in Ungarn Madjaren oder Ungarn, in der östlichen Herzegowina nannte man die Katholiken wegen nahen Herrschaftsbereichs von Venedig Latiner. Sie verwendeten als Schrift die Bosanèica (eine Art glagolitische Schrift, Anm. d.Übers.). sprachen Ikavisch, und auch heute erinnern manche Ortschaften wie Bila Stina an jene Zeit. In Krupa traten die kroatischen Adeligen Badanjkoviæ zum Islam über, wurden zu heftigen Gegnern der Katholiken, wie auch der serbische Neutürke Omer Paša- Latas für seine orthodoxen Brüder gefährlich und ihnen gegenüber auch grausam war. So forderte 1627 der Dizdar von Krupa Safir- Aga Badanjkoviæ, der wichtigste Held der Mohamedaner in jener Gegend, in einem Brief den Ungläubigen Vuk Mrnjavèiæ, den Hauptmann von Sredièka an der Kupa, zum Zweikampf heraus. Ratkaj notiert in seinem Werk Memoriae regum et banorum, der Brief sei in Bosanèica und reiner kroatischer , ikavischer Sprache geschrieben, und das Duell beschreibt er so: Der Zeitpunkt für den Kampf wird in Sredièki bei Krupa festgelegt (wahrscheinlich Kupa, Anm.d. Autors), wo Vuk Mrnjavèiæ zum Zweikampf mit dem jungen Safir-Aga Badanjkoviæ antritt, der wegen seiner Tapferkeit bei Türken und Christen geschätzt war. Im Zweikampf kommt es zu Schrecklichem, indem Vuk Mrnjavèiæ zunächst den türkischen Ritter mit dem Schwert an der Brust schwer verwundet, und als sich dieser vor Schmerz zum Kopf des Pferdes krümmt, enthauptet Mrnjavèiæ den Safir-Aga und dessen Pferd mit einem Streich. Durch dieses Ereignis waren die Türken so erschreckt, da3 sie den Helden Mrnjavèiæ nie wieder zum Zweikampf herausforderten. Auch die Türken hatten ihre Helden, über die sie Heldenlieder sangen, einer war Buljuk-Baša Mujo Hrnjica aus Velika Kladuša, der wegen seines Ziehbruders Meho Katarica aus einem heldenhaften Hinterhalt ums Leben kam, alles nach dem im Volk verbreiteten Spruch: wer soll gegen wen sein, wenn nicht die eigenen gegen die eigenen Leute. Vlachen und Serben kamen nicht von ihrem Helden Kraljeviæ Marko los, der im übrigen ein türkischer Vasall war. Etwas unterhalb des Krupagebietes, zwischen der Krušnicamündung und der Mündung des Baches Vojskova in Rudice und noch etwas weiter beim Zusammenflu3 von Una und Sana endet das eigentliche Huchenrevier, und es beginnt das zeitweilige Huchengebiet. Ich habe bereits angeführt, da3 dieser Teil wegen der schweren und ekelhaften schleimigen Zellulose im Wasser, in dem auch noch Teile von Plastikverpackung schwammen, eigentlich nicht als ernsthaftes Anglergebiet gelten darf, au3er zum Grundangeln, oder wie es in Bosnien hei3t mit Unterspannung. Aber nun, nach dem schweren und blutigen Krieg, in dem das Zellulosewerk in Prijedor zerstört wurde, ist die Una wieder klar, setzt ihren etwas breiteren Lauf durch Flu3engen in ihrem zweiten Revier fort, zu dem die Gebiete von Divuša, Zamlaèe, Unèan, Kozibrod, Kuljan, der Stadt Kostajnica und die Unadörfer Rosulje und Baèina gehören. Der dritte Teil umfa3t die Gebiete ab dem Zusammenflu3 mit der kleinen Mljeèanica bei Dubica und die einreihig entlang des Dammes am Ufer liegenden Ortschaften Tanac und Uštice am Zusammenflu3 von Una und Save bei Jasenovac. Die Unahuchen haben je nach Fangrevier eine etwas andere Form und Aussehen. Im Oberlauf der Una haben sie ein spindelförmiges Aussehen, wie die von der Dobra oder Kupa. Die, die zu Ende des Kalenderjahres im Unterlauf gefangen wurden, waren plumper, hatten dickere, volle Bäuche und eine besondere, rundere Form. Dort werden durchschnittlich die meisten grö3eren Exemplare von 10 und mehr kg gefangen, während den Oberlauf mehr aber kleinere Fische kennzeichnen.

Titelblatt des Anglerblattes Ribolov, das zum Aufruhr unter neidischen Kollegen führte.

Au3er diesem wegen des Wanderns auf derartigen Pfaden nicht gerade angenehmen Angelns zeigte sich die Bevölkerung vom rechten Unaufer gutmütig und voll Sympathie. Man schlo3 gerne Freundschaft mit uns Zagrebern, und so manchen Diebstahl von Gerät schrieb man den Überbleibseln aus osmanischer Zeit zu, die Raub und Diebstahl als höhere Form gesellschaftlichen Ansehens geschätzt hatte: je ärger der Gauner und Betrüger, um so angesehener die Person. So bestehen in den Überlieferungen und Gedichten Legenden von Haiducken und Betrügern jeder Art von Glaubensbekenntnis:... Unser Volk ist stolz auf die Haiducken als auf seine Helden. Sie tragen Seidentücher auf dem Haupt, silberbeschlagene Leibchen auf der Brust und an Waffen: Haiduckesäbel- lang und zwei kurze Pistolen. Mit diesen Waffen richten sie zwar auch unter ihrem Volk Böses an, gehen gegen Häuser vor, aber die Haiducken sind nach der türkischen Grausamkeit beim Volk beliebt und werden betrauert. Allgemein gilt, da3 die Türken meist Böses getan haben, was noch angehen kann, da sie Eroberer waren. Aber auch die Christen standen ihnen in nichts nach. Mit viel Interesse las ich die Urfassung eines Briefes in archaischer kroatischer ikavischer Sprache aus dem 17.Jh., genauer aus dem Jahr 1695, in dem sich Mustaj-Beg Badnjeviæ aus dem Sandžak Bihaæ bei Oberst Ivan Andrija Makar, dem Komandanten von Novi über das Vorgehen der Madjaren (Kroaten) beschwert, die den Türken auflauern und sie dann ausrauben, als Sklaven verkaufen, oder sie festbinden und mit Säbeln und Hacken zerfleischen... wegen der Gefangenen von Krupa, denen die Madjaren von Novi auflauern, ihnen dann Geld und Waren rauben; drei3ig Kona, die man den Unschuldigen geraubt hat. Und Elkas aus Stina soll entweder zerschnitten werden oder verkauft, man wei3 es nicht, welche Schande da noch kommen soll... und die vierte Gesetzwidrigkeit habt Ihr an Emre Harambaša begangen, ihn habt Ihr nicht im Kampf geschlagen, sondern gefesselt im Hof, was keine Heldentat ist... Diese Tradition hielt sich hartnäckig und wurde gehegt und gepflegt, und so wurde in Jugoslawien ein bestimmtes Plenèa Dokument entdeckt, wie es in der heimischen Presse genannt wurde, in dem der ehemalige UN-Sekretär und damalige Präsidentschaftskandidat der Republik Österreich Kurt Waldheim nicht nachgewiesener Missetaten während seines Dienstes in der deutschen Wehrmacht beschuldigt wurde. Nach einem Fachgutachten und nachdem aufgedeckt wurde, da3 diese angeblichen Unterlagen eine gewöhnliche Fälschung sind, stieg das Ansehen des Autors dieser Fälschung, eines Mitglieds der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste, SANU , ebenso wie das Ansehen eines Beograder Reporters , der dieses falsche Dokument sogar für eine erhebliche Geldsumme an die deutsche Zeitschrift Stern verhökert hatte. Sogar der gro3e Führer Tito hatte das Gerichtswesen betreffende Richtlinien von sich gegeben: Genossen, wir wollen uns nicht an Gesetze halten wie Betrunkene an einen Zaun. Bescheiden gebe ich gerne zu, da3 ich keinerlei Sympathien für diese pervertierte Wertetradition hatte, insbesondere als einige örtliche Freunde vom rechten Unaufer meine noch nicht benutzte Fliegenrute HMG Fenwick, die ich in München im berühmten Anglergeräte-Laden Stork um den hohen Betrag meines gesamten Monatsgehaltes erworben hatte, entfremdeten. Damals , im Jahr 1975 war dies der erste Fenwick in Zagreb. Stolz wie ich war, eilte ich sofort , noch im Winter, an die Una, als Fliegenköder gar nicht benutzt wurden und plusterte mich mit dieser Pracht auf. Augenscheinlich hatte ich Erfolg mit dem Getue um mein Gerät, denn die Gauner nahmen meinen teuren Stab wahr und dachten sicherlich: Schau den Blödian an, der macht sich noch wichtig. Mein Liebling verschwand aus dem Auto, während ich in einem Gasthaus gegenüber Javornik bosnische Pljeskavica im Somun (Hackfleischschnitzel in Fladenbrot, Anm.d.übers.) mit Zwiebelresten zu Abend a3. Den Diebstahl bemerkte ich erst spät in Zagreb, als ich mein Gerät abladen und in die Wohnung tragen wollte, und nach mehrmaligem Durchsuchen des Autos machte mich die Erkenntnis, bestohlen worden zu sein, sehr niedergeschlagen, so sehr, da3 ich sofort , in meinem drei3igsten Lebensjahr die erste graue Strähne hatte. Das Gebiet unterhalb von Dvor stand beim Dorf Unèan in einem besonders guten Ruf, sobald das Zellulose-Werk wegen Instandsetzungsarbeiten au3er Betrieb war , und die Una sich zu einem halbwegs ordentlichen Fischfang eignete. Hier wurde mit Hilfe eines riesigen Baggers Kies aus dem Flu3 gefördert, wobei zunächst Kies in den Flu3 aufgeschüttet wurde, ein improvisierter Weg angelegt, damit die Lastwagen das Material wegfahren konnten. Natürlich blieben diese Aufschüttungen bestehen, wenn der Bagger seine Position änderte, und diese wurden später oft vom Flu3 wieder abgetragen, aber es blieben die so sehr notwendigen tiefen Löcher, wo sich die Huchen versteckten. Sobald der Wasserstand etwas höher war, machten wir uns gemeinsam mit Rudi per Boot zur Position unterhalb der Brücke Žirovac auf und suchten das Gebiet langsam mit Zopf oder Systemköderderhaseln ab. Diese Art zu angeln nannte man in Bosnien Fang auf Patent, und so erzählte man sich, da3 starke Huchen durch ihren festen Kieferdruck Dreiecke zu Zweiecken verbogen hätten, und dann natürlich entkommen seien. Hier bei der Kiesseparation gelang mir der Fang eines schönen, einen Meter langen und etwa 10 kg schweren Huchens. Natürlich brachen wir das Angeln nicht ab, nur Rudi lenkte das Boot zum bosnischen Ufer, und da fing ich wieder einen 7 kg schweren Huchen. Mein Doppelfang war aus mehreren Gründen interessant. Erstens hie3 der auf der kroatischen Seite gefangene Fisch glavatica und wurde vom 1.X. bis zum 15.II. gefangen, und derselbe Fisch, auf der bosnischen Seite gefangen , hie3 da mladica, und der Beginn der Saison war der 15.VI. An diesem Beispiel wollte ich zeigen, wie unterschiedlich die Arten des Fischfangs, die Daten der Schonzeit und die Bezeichnungen der Fische waren, und so konnte man an ein und demselben Tag mancherorts normal angeln, während der Wechsel zum anderen Ufer desselben Flusses, was damals die Überschreitung der Republikgrenze bedeutete, auch gleich Raubfischerei sein konnte. Fröhlich und ein bi3chen durchgefroren kamen Rudi und ich zum Bootanlegeplatz und begannen die attraktiven Fische aufzunehmen. Natürlich machte ich mich wie ein Pfau wichtig mit meinem Fang, denn man fängt schlie3lich nicht dauernd solche Stücke, und so bot ich Dragutin Horkiæ eine besonders schöne Aufnahme an, damit er sie auf der Titelseite des Anglerblattes veröffentliche. Wäre ich etwas weiser gewesen, hätte ich betont, da3 dies eine Gemeinschaftsaktion war, aber damals hatte ich keine Erfahrung. Wie es sich für eine sensible Künstlerseele gehört, wie es meine damals war, glaubte ich, alle würden sich mit mir über meinen Fang freuen, wie schlie3lich auch ich mich mit meinem Freund Jeren über dessen Fang eines 11 kg schweren Huchens gefreut hatte; dem war aber nicht so. Ich hatte die lehrreiche Geschichte au3er Acht gelassen, in der es hei3t, der liebe Gott habe die Erde inkognito bereist und sei nach Kroatien gekommen. Müde und durstig kam er zu einem Haus und bat den Bauern um ein Glas Wasser. Der Bauer gab ihm Milch und bot ihm Käse/Topfen an, was bei Gott einen guten Eindruck hinterlie3, worauf er sich zu Erkennen gab und dem Bauern versprach, er werde ihm alle Wünsche erfüllen. Der Bauer überlegte und sprach den Wunsch aus, die Kuh des Nachbarn möge verrecken. Die Lawine böser Worte, die die neidischen Angler losgetreten hatten, lie3 mich in ein Mauseloch kriechen, denn die anderen Angler waren am Rande der Raserei und wollten die Tatsache nicht wahrhaben, da3 ich eigentlich jeden Fisch in einem anderen Regime und unter unterschiedlichen Regeln gefangen hatte. Erst mehrere Jahre später, als ich die Unterlagen für dieses Buch zusammensuchte, begriff ich, da3 ich damals im Vergleich zu den anderen gegen mich geifernden Fischern geradezu eine mildtätige Mutter Theresa war, denn die hatten ihre mehrfach grö3eren Beutezüge sogar auf Pfähle gespie3t.

Jan Jankoviæ mit seinen Trophäenhuchen, die oberhalb Bosanski Novi gefangen wurden.

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