Über die namen der Huchen - Antun Mateš: Der Verzauberte Angler

Über Die Namen Der Huchen

kroatisch – glavatica, glavaèica, sulak
slowakisch – hlavatica, hlavátka obyèajná
tschechisch – hlavatka
polnisch - glowacica
ukrainisch - golovatycja
slowenisch – sulca, sulec
serbisch und bosnisch – mladica
bulgarisch - dunajská sbomka
deutsch – Huchen, Hauch, Hüch
englisch – Danube salmon - Huchen
russisch – dunajskij tajmen, golovatica
französisch – le heuch, le saumon du Danube, huchon
ungarisch – dunai galóca, hukó

Krešimir Pažur mit einem der zahlreichen Huchen aus der Dobra, die er hartnäckig mit ihrem serbischen Namen ‘mladica’ bezeichnete.

Beim leidenschaftlichen und höchst aufregenden Huchen-Angeln an den Flüssen Dobra, Kupa und Una, wobei mein Partner Dr. Krešo Pažur diese als mladica bezeichnete, nahm ich kaum Notiz von einer gewissen Unstimmigkeit zwischen den Bezeichnungen mladica (für Huchen, Anm.d.Übers.) und dem Begriff mladica(für Junges, Anm. d.Übers.). Genau genommen erinnere ich mich daran, da3 ich nach Kljuè zum Angeln am bosnischen Flu3 Sana eingeladen war, wo die Fische mladice vorkommen. Ich wollte diese Einladung schon dankend ablehnen, denn wozu einen weiten Weg machen, um junge Fische zu fangen. In Kroatien wird der Begriff mladica auch für junge Pflanzen (kroatisch-flanc) verwendet, den neuen Trieb eines Zweiges oder für ein junges Mädchen, eigentlich für alles Junge Weibliche, einschlie3lich auch die Jungfische, wie etwa die kleinen Karpfen, Hechte, Döbel usw. Als mir mein Freund klarmachte, da3 die mladice aus dem Flu3 Sana bis zu drei3ig Kilo schwer sein können, geriet ich beim Gedanken an die Grö3e der “alten” in Aufregung-wenn schon die jungen so gro3 sind. Und so stellte ich beim Huchen-“mladica”-Angeln mit Pažur an Dobra und Una fest, da3 etliche meiner restlichen Partner gesetzteren Alters wie Jura Hrastinski und der etwas jüngere Pišta Daut eben diesen Fisch glavatica nannten. Pažur hielt nicht allzu viel von der Meinung der anderen Angler, die nicht seinem Rang als Doktor der Wirtschaftswissenschaften entsprachen, und so antwortete er auf meine dahingehende Frage zur Erklärung dieser Mi3verständnisse seelenruhig, das sei alles purer Unsinn, denn die Fische glavatica lebten in der Neretva, dies sei also ein Fisch im Adriamündungsgebiet, während die mladica-Fische zum Donauraum gehören und in Save, Drau, der slowenischen Krka, der Kupa, Dobra, Una und in der Drina lebten. Mit derlei Argumenten ausgerüstet , begann auch ich meine älteren Kameraden zu korrigieren, wenn sie die mladice als glavatica-Fische bezeichneten. So wurde ich zu einer Art Apostel, vielleicht eher zu einem Aufklärer, und weise verbreitete ich die Stimme der Wahrheit, wobei ich ungebildete alte Angler aufklärte, die so viele dieser Fische gefangen hatten, da3 sie wohl kaum zu zählen gewesen wären. Der Ruf von Pažurs Wahrheit wurde meinerseits ernsthaft, beständig und leidenschaftlich verbreitet, bis mir schlie3lich zum Dank für meine Aktivität bei der Organisation einer Anglertribüne in der Zagreber Kinothek von Ing. Bunjevèeviæ, einem Forellenangler von der Gacka, das Buch Hlavatka des slowakischen Autors Samo Ivaška überreicht wurde. Das Buch war so gut und interessant, da3 ich mich sofort auf die Suche nach einem Übersetzer machte, wobei ich nicht einmal erahnte, da3 das Verhältnis zwischen tschechisch und slowakisch ähnlich unterschiedlich war wie das zwischen kroatisch und serbisch. Es gelang mir einen zu finden, und die Übersetzung des Hauptteiles des Buches war auch erschwinglich .Schon am Beginn des Textes traf ich auf die Ichthionyme von allerhand Bezeichnungen für den Fisch hlavatka, hlavatica, golowatica ,aber auch mladica, wie sie von Pažur genannt wurden. Diese eine Seite mit den Aufzählungen der Fischnamen erklärte sofort alles, und ich sah ein, da3 Jura Hrastinski im Recht war, aber auch Krešo Pažur, nur hatte Jura die kroatische Bezeichnung gewählt, und Pažur hatte die serbische, bezw. bosnische Bezeichnung benutzt.

Der hundert Jahre alte Originaleinband des berühmten Buches von Mijo Kišpatiæ aus dem Jahr 1893, eines der ersten ernsthaften Bücher über Fischereiwesen.

Die Zeit war nicht gut für sprachliche Auseinandersetzungen, denn damals in den Siebziger Jahren des 20. Jhs. war die Unitarisierung der kroatischen Sprache nach der gefährlichen Deklaration zur kroatischen Literatursprache voll im Gange. Jegliches Abweichen von der Formel, da3 es eine einzige Hochsprache gibt, das “Serbokroatische” oder “Kroatoserbische” wurde nicht nur nicht toleriert, sondern vereinzelt wurden auch Literaten eingesperrt oder sonst als Häretiker verfolgt, weil sie sich gegen diesen Zwang ausgesprochen hatten. Obwohl ich den Unterschied der zwei Namen für ein und denselben Fisch sehr wohl verstand, konnte ich klarerweise nichts Nennenswertes unternehmen, ohne sogleich in den Verdacht gefährlicher kontrarevolutionärer Umtriebe zu geraten. So wurde in Teilen der Literatur die sonderbare Zusammensetzung mladica-glavatica oder glavatica- mladica verwendet, wie auch zwangsweise bei der Sprachbezeichnung serbokroatisch oder umgekehrt zur Anwendung gelangte. Erst als ich in den Besitz von Auszügen aus der Anglerliteratur von Vladimir Prinz gelangte, nämlich der Zeitschrift Športski ribar, die zum ersten Mal 1926 erschienen war, und zwar zweisprachig und in kyrillischer und lateinischer Schrift, gelangte ich, wie sich später herausstellte, an den Ursprung des gewaltsamen Raubes der Bezeichnung glavatica. Das Interessante an der Untersuchung dieses Sprachraubs war das aufregende, konspirative und geheimnisvolle, das an die Ermittlungstätigkeit des William von Baskerville im geheimnisvollen Roman der Name der Rose von Umberto Ecco erinnerte, nun allerdings ohne Opfer. Als ich genügend schriftliches Material beisammen hatte, schrieb ich in der Kolumne Velike i male ribe(Gro3e und kleine Fische, Anm. d. Übers.) einen Artikel über den Fisch glavatica, in dem ich in vier Fortsetzungen klar aber vorsichtig die Zweifel um die Namenswechsel herausarbeitete. Ich mu3te nicht lange auf eine Antwort warten, denn einen Monat später wurde diese sonst gern gelesene Rubrik in der SN Revija (Sportrevue, Anm.d.Übers.) aufgelöst. Bald darauf trat das Aktiv der Kommunistischen Partei im Rahmen der Zegreber Anglergesellschaft zusammen, und entlie3 mich aus der der Kommission für Propaganda, in der ich nach Zvonimir Uzelac Vorträge für die Kinder organisiert, Filme aufgenommen und sonst noch einiges unternommen hatte. Das wichtigste Atout, das mich bis zu einem gewissen Ma3e amnestierte und vor dem Schimpf volksfeindlicher Absichten gegen die Brüderlichkeit und Einheit bewahrte, war der dauernde Fortbestand der kroatischen Bezeichnungen im Draugebiet, wo die Anglergesellschaft in Prelog weiterhin Glavatica hie3, so da3 Pažurs falsche Theorie von der Neretva, in der einzig der Fisch glavatica lebt, in Prelog glatt zunichte wurde.

In Kišpatiæs Buch eine gute Illustrierung mit Huchen.

Mir war auch gleich klar, da3 ich mir da ein ernstes Problem eingehandelt hatte, das heute nur schwer zu verstehen ist. Auch nahm ich mir die Freiheit heraus, noch einen kritisch intonierten Artikel über die mögliche Zerstörung des Flusses Dobra durch den Ausbau einer Waschanlage für Bahnwaggons mit vielen giftigen Waschmitteln in der Nähe des Quellgebietes noch dazu bei Srpske Moravice (Serbisch Moravice, Anm. d.Übers.) zu veröffentlichen. Das jugoslawische Tito-Regime war deutlich milder als das sowjetische und andere Ostblock-Regime, denn während dort die Menschen liquidiert wurden oder in Gulags kamen, bü3te man hier manchmal Nieren, seinen Arbeitsplatz oder die Karriere ein, wenn man ein nicht genehmes Lied sang. So wurde mein Dossier wegen verdächtiger volksfeindlicher Handlungen im Zusammenhang mit volkstümlichen Bezeichnungen für Fische und wegen rückständigen und prowestlichen Vorgehens gegen die Arbeiterklasse der Wäscher giftiger Chemikalien und Materialien wieder einmal dicker. Das Spektrum der Spitzel war auch im Anglersport und in der Fischerei ausnehmend, man wu3te nie, wann und wo einen jemand bespitzelte und verpfiff, wie das so gut im deutschen Film Das Leben der Anderen dargestellt wurde, der 2006 den Oscar bekam. Dieses sprachliche Problem habe ich teilweise in meinem ersten Buch über die Forellen bearbeitet, und so besteht hier kein Grund es noch einmals ausführlicher abzuhandeln. Es soll nur daran erinnert werden, da3 in dieser ersten Nummer des neuerschienen Blattes Športski ribar, das 1926 von Zdravko Thaller redigiert wurde, die Frage des Dualismus der Bezeichnung glavatica für zwei unterschiedliche Fische - Salmo hucho und Salmo marmoratus besprochen wurde, welche später in der österreichischen Systematisierung als Trutta genivitata bezeichnet wurde. Obwohl es wohlmeinende , warnende Absichten gab, insbesondere die des Mostarer ortodoxen Priesters Vasilije Ristiæ, der darauf verwies, da3 in Kroatien der Fisch Hucho hucho glavatica hei3t, war der Maler Ðoko Mazaliæ entscheidend, der eigentlich den kroatischen Namen glavatica an sich ri3, während den Kroaten die serbische Bezeichnung mladica für denselben Fisch aufgezwungen wurde, was 50 Jahre später Pažur auch bestätigte. Es gibt genügend deutliche Beispiele für Serbisierungen, nicht nur der Fische, sondern auch von Orten in Kroatien, so wurde der Ort Komorske Moravice 1919 in Srpske Moravice umbenannt.

Bei der Suche nach einer effektvollen Position für Aufnahmen schlug ich mich mit meinem kleinen orangefarbenen Citroen, der hier rechts zu sehen ist, auf fast undurchdringlichen und nicht befahrbaren Wegen zum Ort Mateši durch, wo ich mich auf diesem sonnigen Abhang mit meiner Trophäe wichtigmachte.

Anerkennung für die Anglergesellschaft Glavatica aus Prelog für die ehrenvolle Fürsorge um

Es bestehen zahlreiche schriftliche Unterlagen und Spuren des Namens glavatica von Gazophylacium von Ivan Belostenec aus dem Jahr 1774, von Kišpatiæs Riba aus dem Jahr 1885 und anderen Aufzählungen dieses kroatischen Namens, und ich will hier also nur einige Beispiele angeben, die die unterschiedliche Zugehörigkeit dieser Bezeichnungen hervorheben:

  • Aus all dem können wir schlie3en, da3 Salmo hucho in Bosnien und Serbien mladica hei3t, in Kroatien dagegen glavatica.
  • Stojèeviæ erwähnt bei der Besprechung von Fischnamen ebenfalls mladica und glavatica, und zwar nach Angaben von Panèiæ, wobei er sagt, da3 Panèiæ *6 die Bezeichnung glavatica wie einige andere Bezeichnungen für Fisch im Kopf aus seiner alten Heimat nach Serbien gebracht hat (Z.Thaller Mladica- Glavatica und der glavatica Fisch aus der Neretva, Zagreb, 1943).
  • Huchen hei3t in kroatischen Gebieten glavatica, und in Bosnien mladica...
  • Unter der Bezeichnung “glavatica” verstehen wir in einigen unserer Gebiete, insbesondere in Kroatien Salmonidenfische, die in Bosnien mladica hei3en (Rikard Hafner, Sportski ribolov u slatkim vodama- Sportangeln in Sü3wasser,Osijek 1953).
Vejsil Èurèiæ schreibt in seinem Werk Die Neretva und ihre Forellen (Salmonide), Sarajevo 1939:
  • In Hutovo Blato bei Èapljina , an der Neretva bis Jablanica meint man, Zahnforelle und glavativa seien ein und derselbe Fisch...
  • Im k.u.k. Hof-(heute staatlichen) Museum in Wien befinden sich ein paar gro3e Fische dieser Art, und zwar aus dem Isonzo (Soèa) und seinen Nebenflüssen, wie auch aus der Kupa und der Neretva. Steindachner bezeichnet sie als Salmo fario, var. Marmorata Cuv., während sie Heckel “dentex”(Zahnforelle, zubatak) nennt. Dr. C.O. Èeh sagt in seiner Beschreibung “Die Fischzucht in Bosnien und Herzegowina”, Wien 1893, da3 der Salmo hucho bei der Slaven glavatica (hlavatica) hei3t.

Glavatitza oder der 1774 vermerkte Fisch.

Es soll zusammenfassend gesagt werden, da3 die serbiscxhe und bosnische Bezeichnung mladica für diesen Fisch überhaupt nicht in Frage steht, sie sollen sie mladica (junge) nennen oder starica (alte), wenn sie wollen, aber zweifelhaft und anfechtbar ist es, trotz Warnungen den Namen glavatica einfach zu entwenden und die Bezeichnung für einen ganz anderen Fisch , nämlich die Adriaforelle, Zahnforelle oder Marmorforelle zu erzwingen, die dieser nie trug. Die herzegowinischen Fischer an der Neretva nennen den Fisch zubatak, Adriaforelle, wie es Vejsil Èurèiæ schreibt, und die Zahnforelle Salmo dentex zubaè oder zubar - Zahnforelle, wie die Fischer von der Cetina. So kam es zu einem zweifachen Diebstahl, einem Fisch wurde der der Name genommen und einem anderen aufgezwungen, und dessen Name wurde einzig deswegen gelöscht, weil er ihn aus der deutschen Systematisierung bezogen hatte. Was für ein Wirr-Warr dieser Diebstahl bewirkte, das Ðoko Mazaliæ begonnen hatte, wird aus einem geradezu bizarren Beispiel deutlich. Die sprichwörtlich präzisen Österreicher, deren Ichthiologen Johann Jakob Heckel und Rudolf Kner übrigens auch die Zahnforelle als Salmo Dentex und marmorisierende oder Adriaforelle aus der Neretva als Trutta genivitata in der Sonderausgabe Das gro3e Anglerbuch über die Huchen , bezw. glavatice angeben, sagen, da3 Huchen, bezw. glavatice in den Flüssen Isar, Inn, Lech, Möll, Ybbs, Traun, Drina und Neretva leben!!! Aber auch solide rezente Fachbücher in Kroatien, die von Autorengruppen mit hoher akademischer Bildung verfa3t wurden, erzwangen neuerlich den serbischen Namen mladica, sie lie3en auch noch alle Ichthionyme der glavatiaca aus dem grundlegenden Werk Rjeènik narodnih zooloških naziva - drittes Buch über Fische ( Wörterbuch der volkstümlichen zoologischen Bezeichnungen, Anm.d.übers.) von Dr. Miroslav Hirca , Ausgabe der Jugoslawischen Akademie der Wissenschaften und Künste JAZU 1956 aus. So ist die Gewohnheit der Wissenschaftler in Kroatien, aber auch die der Mehrheit der Fischer und Angler, ja sogar die des offiziellen Organs der kroatischen Sportfischer, diesen Sprachdiebstahl ruhig hinzunemen, nur schwer zu akzeptieren. In der Tat kann ein so untertäniges Verhalten, insbesondere der kroatischen Wissenschaftler, kaum anders bezeichnet werden als Kolaboration, aber weitere Ausführungen in dieser Richtung würden den Rahmen dieses Buches sprengen. Den Regeln des guten Tones folgend und mit Rücksichtnahme auf Unterschiede habe ich diesen Fisch in Bosnien immer als mladica bezeichnet, in Slowenien als sulca, und so erhoffte ich mir eine wechselseitige Achtung der Sprache, natürlich vergeblich.

Salmo marmoratus, die Adriaforelle, Zahn- oder marmorierte Forellee. Obwohl sie in der Herzegowina, wo sie lebt, nirgendwo glavatica hei3t, wurde diesem Fisch dieser geraubte kroatische Name für Hucho hucho aufgezwungen.

Originalphoto von Walter Weber mit seinem Fang bei Bad Lešæe. Beide Huchen fing er am 14.II. 1925 mit Systemköder-Zwergwelsen, die er am Zagreber Markt Dolac erworben hatte, und die das Lieblingsfutter der Huchen ,die Koppen, nachahmten. Am Rand des Photos schrieb Weber eigenhändig den Namen der Fische-glavatica.

Dieselbe Photographie in Thallers Buch Ribe i vode Jugoslavije mit der serbischen oder bosnischen Übersetzung für glavatica-mladica.

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